Es war einmal ein Winzer aus Nittel an der Mosel - Matthias Dostert. Vor vielen Jahren schnappte der sich eine Kiste von seinem guten Wein, um ihn nach Bremen zu bringen. Zusammen mit seiner Frau und mit sehr viel Mut fuhren sie los. Matthias Dostert hatte nämlich gehört, daß nur deutsche Weine im Ratskeller Bremen lagern würden. Und wer dort seinen Wein verkaufen konnte, hatte es zu etwas gebracht.
Der Wein von Matthias Dostert war ein Elbling, den zwar schon die Römer vor gut 2000 Jahren tranken, der in Deutschland allerdings nur für die Sektherstellung Verwendung fand.
In Bremen angekommen, parkte er seinen Wagen auf dem Domshof. Es war ein heißer Tag und so bemühte sich Matthias Dostert den Wein schnell in den Keller zu bringen. Er lief ein paarmal um das Rathaus herum und suchte den Kellereingang. Mit der immer schwerer werdenden Kiste Wein lief er dann über den Liebfrauenkirchhof und fragte schließlich die Blumenverkäuferinnen im Schoppensteel: "Wo ist denn hier der Kellermeister?"
"Hinter den Bremer Stadtmusikanten ist sein Büro," sagte eine von ihnen und zeigte mit dem Finger zum Treppenaufgang des Stadtweinverkaufs.
Erleichtert und schwitzend stellte er seine Kiste Wein auf den Tresen und nannte seinen Wunsch, den Kellermeister sprechen zu wollen. Eine Angestellte führte Herrn Dostert dann ins Büro des Kellermeisters daneben.
Herr Dostert sagte dort brav seinen Spruch auf, er habe Wein von der Mosel extra für den Ratskellermeister in Bremen mitgebracht. Ohne groß von seiner Arbeit aufzublicken sagte der Ratskellermeister zu ihm: "Diese Baurebrieh kannschde alleine trinken!"
Dem Matthias Dostert fiel ob dieser Schroffheit die Kinnlade herunter. Ehe er einen Ton von sich geben konnte fügte der Kellermeister noch hinzu: "... diese Schlempe kannschde behalten!"
Erschrocken ließ Matthias Dostert seine Weinkiste auf dem Tresen stehen und lief schweißgebadet zurück zu seinem Auto, in dem seine Ehefrau schön sehnsüchtig auf seine Rückkehr wartete.
Kreidebleich sagte er zu ihr: "Du, ich glaube, das wird hier nichts. Wir fahren zurück nach Hause."
Der Ratskellermeister hieß Heinz, aber seine Frau nannte ihn Heino. Heinz wollte die Kiste nicht auf dem Tresen stehen lassen und nahm sie mehr aus Neugier mit nach Hause. Nun machte er auch eine Flasche auf, um ihn mit seiner Frau und auch mit den Kindern - vier haben sie - zu probieren. Erstaunt musste er feststellen, der Wein schmeckt sehr frisch und ist auch süffig...
Drei Wochen später rief Heinz den tüchtigen Winzer an, und sagte ihm ganz trocken, den Wein möchte er haben für den Ratskeller Bremen. Er, Dostert, möge doch bitte tausend Flaschen liefern.
Dem lieben Matthias Dostert fiel nun erneut die Kinnlade herunter - damit hatte er überhaupt nicht gerechnet.
So kam der Wein von der Mosel auf die große Weinkarte im Bremer Ratskeller und den Wein gab es dann auch außer Haus. Daraufhin trank der Mattes - so wurde er nun vom Kellermeister genannt - erstmal einen großen Schluck seines eigenen Weines ganz kalt und aus dem Becherglas. Im Hause des Kellermeisters konnte man Dosterts Wein von nun an viel öfter trinken.
Nach der ersten Bestellung steigerten sich nun von Jahr zu Jahr auch die Mengen. Dostert musste sich einen größeren LKW kaufen, um alle Bestellungen pünktlich zu liefern. Auch die Prominenz aus Bremen ist nun zu Gast in der Herberge der Dosterts in Nittel an der Mosel: der Bremer Bürgermeister, der Domprediger, der Bürgerschaftspräsident...
Die Herberge entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem Hotel mit Restaurant. Matthias Dosterts Tochter Carina wurde sogar eine Deutsche Weinkönigin.